| Noch als Schrödinger Stipendiat
in den USA erhielt ich im Frühjahr 1990 den Anruf von John Dittami,
Abt. für Ethologie an der Universität Wien, ob ich als sein
Assistent die Leitung der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau
übernehmen wolle. Ich wollte. Seitdem erweckten wir die vom Nobelpreisträger
1973 gegründete Forschungsstelle aus dem Dornröschenschlaf.
Heute arbeiten wir mit 10-15 MitarbeiterInnen, Post-docs, Dissertantinnen
und Diplomanden, aus Österreich und anderen europäischen
Ländern an den sozialen und kognitiven Mechanismen bei den Wirbeltieren.
Als Modellsystem fungieren die traditionellen Graugänse, aber
auch Raben, Dohlen und Waldrappe. Zur Lehre gehören neben der
Betreuung der StudentInnen an der Forschungsstelle vor allem die Vorlesungen
an der Universität Wien.
Aufgrund der geringen Ausstattung der Forschungsstelle mit Basismittel
erfolgt die Forschungsfinanzierung über kompetitive Drittmittel,
also vor allem über FWF-Projekte. So schließt sich der
Kreis. Denn mein Schrödinger-Stipendium 1989 war eine der wichtigen
Vorraussetzungen dafür, dass wir heute dem FWF relativ erfolgreich
"auf der Tasche liegen" können. Tatsächlich
halten Quantität und Qualität unserer Ergebnisse jedem
internationalen Vergleich stand. Besonders erfreulich ist, dass
zunehmend JungwissenschaftlerInnen, etwa Katharina Hirschenhauser
und Thomas Bugnyar nicht nur international auffallen, sondern auch
als erfolgreiche FWF-Antragsteller. Schlimm allerdings, dass es
an den heimischen Universitäten selbst für diesen hervorragenden
Nachwuchs keine Stellen gibt.
Zumindest im Bereich der Grundlagenforschung werden die Schlaglöcher
in der heimischen Universitäts- und Forschungslandschaft durch
einen hervorragend funktionierenden FWF abgefedert. So zeigt sich
auch durch unsere aktuelle Arbeit, dass sich die Elemente sozialen
Zusammenlebens und die geistige Leistungsfähigkeit innerhalb
der Wirbeltiere, von den Fischen bis zum Menschen unglaublich konvergent
entwickelten. Dies erklärt sich aus dem Zusammenwirken einer
äußerst strukturkonservativen Evolution mit den parallelen
ökologischen Notwendigkeiten. So ergibt sich auch ein neuer,
aufregender Blick auf den Menschen. Die Graugans ist dafür
als vergleichende Brille sogar besser geeignet als etwa unsere nächsten
Verwandten, die Schimpansen.
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