|
Mein Erwin Schroedinger Stipendium in der Tasche fuhr ich mit einem
riesigen, uralten amerikanischen Schlitten den ich soeben um 1000
Dollar gekauft hatte, einem Buick 1978, den Palmenhain zum Oval,
dem ovalen Eingangsbereich der Stanford University. Es war wie im
Bilderbuch. Blauer Himmel, Sonne und Palmen , und ich glitt mit
15 Meilen pro Stunde dahin. Das Center for European Studies, in
dem ich das Jahr verbringen sollte, war direkt beim Oval. Die Sekretaerin
das Centers hatte fuer mich ein Buero bereit gemacht, das einen
herrlichen Blick auf den Campus bot.
Auf meinem Schreibtisch lag das Programm der Universitaet. Ich
ueberflog die Liste der unterrichtenden Professoren. Kenneth Arrow,
Joseph Stiglitz, James March, um einige zu nennen. Arrow hatte den
Nobelpreis fuer Oekonomie, Stiglitz bekam ihn einige Jahre spaeter,
James March bekommt ihn hoffentlich noch. Ich besuchte die verschiedenen
Bibliotheken am Campus. Tag und Nacht geoeffnet, was fuer eine Studienerleichterung.
Eine wunderbare Buchhandlung am Campus verleitete zum Schmoekern
und Kaufen. Dass man Kaffee trinken konnte und dabei in Buecher
schmoekern, war wir mir damals neu.
Der Direkter des Centers for European Studies, Professor Philippe
Schmitter, begruesste mich, fuehrte mich ueber den Campus und zeigte
mir die Skulpturen von Rodin, vor allem "den Denker",
der damals noch am Oval zur Begruessung der Neuankommenden stand.
Er lud mich zum Lunch in den Faculty Club ein. Da sassen sie, die
Granden der Oekonomie und anderen Fachbereiche. Und ich durfte ein
Jahr hier ungehindert in diesem Umfeld Vorlesungen besuchen und
forschen.
Ich mochte vor allem die Brown Bag Lunchs, wo meist Gaeste des
Zentrums Vortraege ueber ihre Forschungstaetigkeiten hielten. Das
Zentrum war wie ein Magnet fuer Oekonomen, Politikwissenschafter,
Historiker und Soziologen aus aller Welt. Und Professor Schmitter,
mit seiner offenen und gastfreundlichen, lebendigen Art, stellte
blitzschnelle und punktgenau treffende Fragen. Wenn ein Vortrag
beim Brown Bag Lunch fuer gut befunden wurde, dann war er gut, dann
war er publikationsreif.
Ich besuchte Vorlesungen von Kenneth Arrow, von Joe Stiglitz. Ich
war ueberrascht wieviel homework die Studenten bekamen, wie hart
sie studierten und versuchte mitzuhalten.
Das Jahr in Stanford war eines meiner schoensten wissenschaftlichen
Erlebnisse. Ich habe in dieser Zeit Kontakte geknuepft, die bis
heute halten. Ich habe viel publiziert. Und, ich habe natuerlich
auch ueber Erwin Schroedingers Quantentheorie gelernt, denn ich
wurde von den Amerikanern immer wieder gefragt, wer er war. Als
nicht Naturwissenschafterin war das oft gar nicht so einfach zu
beantworten.
|