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Mein Schrödinger Stipendium führte mich nach Kalifornien
an die Stanford University. In der Forschungsgruppe von Barry M.
Trost zu arbeiten war für mich die Erfüllung eines Wunschtraums.
Der Beginn meiner Postdoc-Zeit war von großem Erstaunen geprägt.
Ich hatte die Chemie von Trost maßlos bewundert und auf eine
naive Weise erwartete ich ins Chemiewunderland zu kommen. Rückblickend
kann ich sagen, dass ich wirklich im Wunderland war, es hat nur
nicht so ausgesehen, wie ich es erwartet hatte und etwas gedauert
bis es mir bewusst wurde.
Meine Erwartungen waren vor allem bezüglich der Ausstattung
der Labors völlig überzogen. Ich war überzeugt nur
das Beste an Glasgeräten und Apparaten vorzufinden. Nur so
war es meines Erachtens möglich die Hochklassigkeit der Trost'schen
Chemie zu erklären. Meine Erwartungen wurden bitter enttäuscht
und ich musste zur Kenntnis nehmen, dass die Ausstattung meines
Labors während meiner Doktorarbeit ganz erheblich besser war
als die in Stanford. Der wirkliche Unterschied zu den Verhältnissen
in Graz war die Person von Berry Trost und die Motivation und intellektuellen
Fähigkeiten der Gruppenmitglieder. Trost war ein kreativer
Vulkan, der Ideen nur so hervorsprudelte. Ich habe heute noch eine
Sammlung von Zetteln des Typs: Christoph! Look at this: <kurze
Reaktionsskizze> see me BMT.
Trost hatte eine Reputation als "Schleifer", welche ich
als wohlverdient bestätigen kann. "Saturday is just another
working day" und "The labs are open also during the night"
waren gängige Aussagen von ihm. Seine Arbeitsgruppe umfasste
ca. 40 Leute, je zur Hälfte Doktoranden und Postdocs aus aller
Herren Länder. Es herrschte eine Atmosphäre kreativer
Konkurrenz und gleichzeitig war eine starke Gruppenidentität
der "Trostketeers" gegeben. Die Summe brillanter Köpfe
sorgte immer für Diskussionen auf höchstem Niveau.
Ich genoss die Zeit in Stanford, arbeitete viel, sah mir Kalifornien
an und hatte "the time of my life".
Wissenschaftlich gesehen bedeutete die Zeit in Stanford für
mich eine Hinwendung zur metallorganischen Chemie, weg von der Naturstoffchemie
meiner Doktorandenzeit. Ich habe während dieser Zeit ein anderes
Verständnis für wissenschaftliche Forschung entwickelt.
Mein Stil eine Arbeitsgruppe zu leiten ist vielleicht nicht der
eines "Sklaventreibers" vom Format Barry Trost, hat aber
viel von seiner Art, wie ich versuche Enthusiasmus und Neugierde
in meinen Mitarbeitern und Studenten zu wecken.
Meine Rückkehr nach Österreich empfand ich, nicht nur
wegen des kälteren Klimas als Abkühlung. Die Dynamik und
grenzenlose Begeisterung einer amerikanischen Top-Forschungsgruppe
ist für viele Leute hier nicht vorstellbar und ich bin rückblickend
dankbar, dass ich sie erleben durfte.
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