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Ich erinnere mich noch öfters und gerne an meinen Forschungsaufenthalt,
der mich im Jänner 1993 als Schröderinger-Stipendiat an
die Stanford University geführt hat. Ich wollte Forschung auf
einem sehr aktuellen Gebiet der angewandten Mechanik betreiben,
und das, für eine bestimmte Zeit, losgelöst von anderen
universitären Verpflichtungen. Stanford war damals für
mein Forschungsgebiet vielleicht einer der attraktivsten Forschungsstätten,
und die Atmosphäre war damals wie heute von graduate students
und PostDocs geprägt. Die Forschungskultur ist eine andere
als z.B. in Österreich. Es gibt keine "geregelten"
Arbeitszeiten, und so arbeiteten wir praktisch jeden Tag mit unterschiedlichsten
Beginnzeiten. Ein Kollege aus Spanien, z.B., ist meist erst am Abend
in den Computerraum gekommen, und dann nach dem Frühstück
nach Hause gegangen, wahrscheinlich versuchte er so den Jetleg zu
vermeiden. Kollegen aus aller Welt arbeiteten meist nur für
1-2 Jahre an dem Department, insofern war es völlig normal,
z.B. die Einrichtung für die eigene Wohnung am "second-hand"
Markt, von einem PostDoc der gerade seinen Aufenthalt beendet hatte,
zu kaufen. Wir hatten keine eigenen Büros, Studierplätze
waren der Computer-room und die libraries on a "first come
first serve" basis. Diese Räume waren auch jeden Tag geöffnet.
Meetings mit meinem advisor hatte ich meist am späteren Abend,
entweder in einem Kaffeehaus oder in einem Restaurant. Social hours
gab es regelmässig in der Division und waren eine gute Informationsbörse.
So wurde es neu ankommenden Wissenschaftern ermöglicht, leichter
Kontakt mit der community zu bekommen. Darüberhinaus war es
üblich, dass Stipendiaten von deren advisors oder Kollegen
zu sich nach Hause eingeladen wurden, was immer eine Mischung aus
Privatleben und Science ermöglichte. Diese Aktivitäten
erbrachten einen leichteren Start, und förderten die (fachliche)
Kommunikation. Als PostDocs hatten wir Zugang zu graduate courses
die sehr hilfreich für die eigene Forschung waren. Stanford
war (und ist) eine Ideenbörse. Sehr oft war ein Thema erledigt
wenn die entsprechende Idee publiziert wurde. Mein advisor pflegte
zu sagen: "We are the pioneers publishing ideas, and the germans
are the workers screwing around on these ideas" (er meinte
das durchaus nicht negativ).
Ich bekam auch einen Einblick in die Publikationskultur, die an
Eliteuniversitäten in den USA herrscht.Ich hatte den Eindruck
dass die Wissenschafter unter stärkerem Publikationsdruck stehen
als zum Beispiel in Mitteleuropa, und dass Publikationen nicht nur
mit Intelligenz und Genialität zu schreiben sind, sondern dass
es erforderlich ist Gedanken niederzuschreiben, Skizzen anzufertigen
und die Forschung eben in einer ansprechenden Form zu Papier zu
bringen. So hat mich die Frage auch nicht verwundert "Is that
right that you do not work on the weekends in Europe? "
Nicht zuletzt ist die geografische Umgebung von Stanford sehr inspirierend.
Ein Schmelztiegel von Kulturen zwischen San Franciso und dem Silicon
Valley, ein Platz an dem 1939 Bill Hewlett and Dave Packard die
Firma HP gegründet haben, in dem der Österreicher Paul
Watzlawick entscheidende Theorien in der Psychotherapie und Kommunikationswissenschaft
entwickelte, oder die Gründung der Apple Computers durch Steve
Jobs stattfand.
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